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Werkstattbericht
Wichtig !
     
 




Unter anderem im aktuellen Heft 03/2012 zu lesen:
V 2 - Condor, Seziert: Puch 350 GS und Technikthema: Arbeit mit Karrosseriezinn
und im nächsten Heft 04/2012- ? - ? - ? - 


  



keine aktuellen Termine



ein kleiner Bericht aus der Werkstatt des Restaurator                                         




Schon seit meiner Kindheit interessierte ich mich für Motorräder und war von deren Technik fasziniert. Wie so mancher Junge stand ich staunend vor den MZ, AWO's, JAWA's und was man damals bei uns in der DDR noch so fuhr. Später, mit zunehmendem Alter, wurde der Wunsch nach einer eigenen Maschine immer größer. Bis der jedoch in Erfüllung ging, sollte noch einige Zeit vergehen. Nach der Schule begann ich eine Lehre als Schlosser und hatte somit ein Transportproblem zum Arbeitsort, da er ca. 8 km von meinem Wohnort lag. Da ich den Führerschein schon hatte und unabhängig von den öffentlichen Verkehrsmitteln sein wollte, beschloss ich, auf eigener Achse zum Betrieb zu fahren. Zunächst mit einem kleinen SIMSON - SPATZ, den ich dann später gegen ein , richtiges ' Motorrad tauschte. Ein Kollege vermittelte mir nämlich eine MZ RT 125/3, die bisher einem Motorsportclub zur Fahrausbildung diente. Von mir etwas modifiziert ( Sitzbank, Hochlenker, Seitengepäckträger sowie Blinkanlage) und neu lackiert, fuhr ich sie dann im Winter mit Stahlfelgen, die ich wegen der besseren Haftung mit einer kleinen Kette umwickelte. Im Sommer montierte ich polierte Aluminiumfelgen, der besseren Optik wegen. Sie brachte mich zur Schicht, zur Disco oder zum baden - war mein zuverlässiges Alltagsgefährt, das mich all die Jahre nie im Stich ließ. Dann kam der Armeedienst und die RT kam nur noch selten zum Einsatz. Nach der Armeezeit zog ich um und verkaufte schweren Herzens meine Maschine, da ich in meinem neuen Wohnort keine Möglichkeit zum Unterstellen hatte. Sie im Freien stehen zu lassen, kam für mich nicht in Frage. So gingen die Jahre ins Land. Inzwischen fuhr ich zwar einige andere Maschinen aus dem Hause MZ und SIMSON, aber meine gute, alte RT vergaß ich nie. Dann kam, wie bei vielen anderen auch, Freundin, Hochzeit, Familiengründung, danach der Hausumbau usw. Die Zeit war mit Kinder großziehen, Geld verdienen usw. ausgefüllt und Freizeit meistens sehr knapp. Da meine Frau aber auch motorradbegeistert war und bis heute ist, nahmen wir uns trotzdem die Zeit, um hin und wieder Motorsportveranstaltungen zu besuchen. Inzwischen fuhren wir, dank der Wende 1989, eine Honda VF 750 C- Baujahr 1982. Bei einem Besuch einer Oldtimerrallye war er plötzlich da - der Oldievirus, der mich fortan nicht mehr losließ. So einen Oldtimer aufbauen und natürlich fahren, würde mich auch reizen. Ich hatte da schon eine Idee, welches Motorrad mir gefallen könnte. Am Ende stand fest, wennschon ein Oldie, dann eine RT, so wie ich sie früher gefahren habe. Sie war ja inzwischen zu einem richtigen Oldtimer gereift und einem erschwinglichen noch dazu. Fortan hielt ich also die Augen offen, um ein günstiges Objekt als Restaurationsbasis zu finden. Auf einem Oldtimermarkt, den ich besuchte, kam ich mit einem älteren Herrn ins Gespräch. Er erzählte mir von seiner alten RT, die noch in der Scheune stand und die er in gute Hände abgeben möchte. Das Ganze noch zu einem durchaus moderaten Preis ! Ich machte innerlich einen Freudensprung und sah mich schon ein, mit der Patina von vergangenen Jahren versehenes,  Schätzchen ans Tageslich rollen, mit dem ich in die Ferne rollte. Wir verabredeten uns für ein Wochenende in naher Zukunft und ich war pünktlich da. Nach einem kurzen Gespräch öffnete der Mann seine Scheune, die sich als ehemaliger Stall entpuppte. Da stand sie also !!! Auf den ersten Blick sah sie recht gut aus, ich schob sie ans Tageslicht und ... Was ich dann sah, erschreckte mich dann doch etwas. Naja, meinte der Besitzer, ein bissel Arbeit ist schon dran. Trotzdem beschloss ich, die Maschine zu nehmen. Schnell waren wir uns einig, die Formalitäten erledigt und ich verzurrte die RT auf dem Hänger. Bei einer Tasse Kaffee und einem Stück selbstgebackenem Kuchen der Hausfrau, erzählte der alte Herr von seiner Zeit mit der RT. Er war früher Tierarzt und täglich mit der RT unterwegs. Bei der Betreuung der umliegenden Bauernhöfe gab es immer viel zu tun und oft musste der Veterinärmediziner nachts, bei Schnee und Eis los, um nach kranken Tieren zu sehen. Dabei war die kleine Maschine ein unentbehrlicher Helfer und lies ihn nie im Stich. So erzählte er eine Geschichte nach der anderen  und die Zeit verging, wie im Flug. Da ich einen langen Heimweg hatte, verabschiedete ich mich und fuhr mit der RT auf dem Hänger vom Hof. Ich glaube, der alte Herr wischte sich noch eine Träne aus dem Augenwinkel als ich um die Ecke bog. Vorher musste ihm noch versprechen, das ich mit dem fertigen  Motorrad besuchen werde. Leider verstarb der alte Herr noch bevor ich mit der RT fertigwurde und konnte das Ergebnis meiner Arbeit nicht mehr sehen...schade. Ich freute mich jedoch seinerzeit sehr über meine Anschaffung, die ich durchaus als absolutes Schnäppchen betrachtete. Zu Hause in der Werkstatt zeigten sich bei genauerem Hinsehen, doch einige erhebliche Macken an meinem neuen Oldie. Nicht nur in der Originalität, auch von der technischen Seite gab es viel zu tun. Hier eine kleine Kostprobe der Arbeitsliste: elektrische Anlage komplett aus weißem Unterputzkabel, Schaltkastengehäuse gebrochen, Seilzüge fast alle festgerostet oder aufgespleisst, Scheinwerferglas gesprungen, Rücklicht von einer modernen MZ, der Tacho war voll Wasser gelaufen und stand bei   62 694 km. Reifen beide unbrauchbar, Auspuff durchgerostet, Bruch an der Fußrastenanlage im Ständerbereich usw. Die Liste war noch etwas länger. Mein Traum, mit  dem Motorrad bald auf der  Strasse unterwegs zu sein, zerplatzte in diesem Moment, wie eine Seifenblase. Sollte meine Frau doch Recht behalten als sie meine Neuerwerbung , Schrotthaufen'  nannte ? Eine  gründliche  Überholung war unvermeidlich und bedeutete jede Menge Arbeit, bevor ich mich in den Sattel schwingen könnte. Also einmal das volle Programm bitte ! Bei der folgenden Restauration sollte die RT so original wie möglich entstehen. Als Erstes zerlegte ich die Maschine und fertigte dabei verschiedene Zeichnungen und Fotos an, die ich in mein Werkstattbuch notierte. Dieses sollte mir später, beim Zusammenbau, noch gute Dienste erweisen. Die Zerlegung ging zügig voran, denn soo viele Teile hat die kleine Sächsin ja nicht. Bald war sie in gut beschrifteten Kisten und Kartons verstaut um auf die Aufarbeitung zu warten.  Wenn mich meine Frau in dieser Zeit in der Werkstatt besuchte , zweifelte sie oft daran, daß aus diesem Schrotthaufen je wieder ein richtiges Motorrad wird, mit dem man auch fahren kann. Aber abwarten !!!
Der Motor wanderte erst mal ins Regal, um ihn würde ich mich später kümmern, ebenso wie der massive Alukettenkasten. Den sogenannten Kabelbaum entsorgte ich, da er nur zwei Kabelfarben hatte und aus dem Baumarkt stammte.
Die Kleinteile behandelte ich per Hnad, die großen Brocken übergab ich dem reinigenden Sandsturm. Danach sahen manche Teile aus wie ein Schweizer Käse. Man hatte einfach Hobbyplast auf die Löcher gepappt und überstrichen. Dieser Pfusch flog natürlich beim strahlen davon und kam zum Vorschein. Also erst alles ausbeulen und schweißen, dann spachteln und verzinnen.
Danach spritzte ich alles sorgfältig mit Rostschutzfarbe, um Flugrost zu vermeiden.
Die Rückwand, des Batteriekastens war durch die Säure stark zerfressen und machte eine neue Blechhaut notwendig.
Bei einer Schrottsammlung in der Umgebung konnte ich einen Teileträger an Land ziehen, der die fehlendenden Embleme und Kleinteile lieferte.
Nach ihrer Aufarbeitung und Farbgebung wanderten auch sie ins Regal.
Den Tacho übergab ich einem Fachbetrieb, der zwar den Kostenvoranschlag um das vierfache überschritt, ihn aber komplett überarbeitete und auf Nullstand brachte.
Die Felgen wurden sandgestrahlt und schwarz lackiert, anschließend erhielten sie noch zwei weiße Linien. Die originalitätsfanatiker mögen es mir verzeihen, denn dies ist nicht original, aber es steht der kleinen Maschine wirklich gut und - mir gefällts !
Die Bremstrommeln wurden heiß gereinigt und dann von einem Freund in seinem Polierkabinett auf Hochglanz gebracht. Mit neuen Lagern und Filzringen ausgerüstet warteten sie auf das Einspeichen der Räder, das ein älterer Herr, mit Oldtimerfeeling, in Heimarbeit erledigte. Dabei griff ich zu den guten, alten verchromten Speichen und verzichtete auf Edelstahl.
Die Steuerkopflagerschalen entstanden neu und wurden von meinem Sohn, der in einem galvanischen Betrieb arbeitet, verchromt.
Einer der schönsten Momente war, als ich die Teile vom Lackierer holte.
Sie sahen einfach toll aus, in ihrem makellosen schwarz! Begeistert schob ich schon mal den Tacho in das Scheinwerfergehäuse und drückte die beiden Kontrolllampenkappen in die Öffnungen - es sah einfach Klasse aus!
Jetzt noch schnell ein Bier geöffnet und ich fühlte mich wie ein König! (die Werbung läßt grüßen!)
Die noch fehlenden Linien sollten ursprünglich in Handlinierung aufgetragen werden. Die Preise dafür waren mir aber entschieden zu hoch und drohten mein Budget zu sprengen. Deshalb nahm ich das Angebot eines Freundes an, die Linien auf zu kleben und anschließend 2 x farblos über zu lackieren.
Es sieht täuschend echt aus und ist kaum erkennbar.
Ich kaufte einen kompletten Satz Edelstahlschrauben und begann, das Motorrad zusammenzuschrauben.
Während dier Arbeit trafen nach und nach die Teilebestellungen der verschiedenen Händler, wie Gummi's, Auspuff, Reifen usw. ein.
Einen großen Teil meiner Freizeit verbrachte ich den folgenden Winter in meiner gut beheizten Werkstatt damit, die RT fertig zumachen.
Mein Fernziel war es, ein Oldtimertreffen am 1.Mai in unserem Nachbarort mit meiner frisch restaurierten RT zu besuchen.
Bis dahin war ja noch
so viel Zeit !
Aus einem Ort in der Nähe, stand mir ein alter Hase auf dem Gebiet der Restauration, der in den Fünfzigern Rennen auf RT 125 fuhr, mit Rat und Tat zur Seite.
Er gab mir eine Reihe wertvoller Tipps und verriet einige Kniffe aus seiner Trickkiste. In seiner Werkstatt erfolgte auch die komplette Motorüberholung, an deren Ende ein neuwertiges Triebwerk auf der Werkbank stand.
Beim Zusammenbau der Telegabel erfuhr ich, daß Federn nicht immer die gleiche Länge haben müssen. Eine Feder, obwohl gleicher Bauart wie die andere, war immer zu lang. Nach einigen vergeblichen Versuchen entschied ich mich, die eine Feder zu kürzen. Und siehe da-die Sache passte ausgezeichnet!
Schnell stand die RT auf ihren zwei neu bereiften Rädern, nun nahm auch der Motor seinen Platz im Rahmen ein. Endlich konnte ich den neuen, verchromten Auspuff anbauen.
Nach dem Verdrahten wurde die Batterie in den vorgesehenen Kasten gestellt und eine Funktionsprobe der Elektrik vorgenommen.
Dann befüllte ich den Tank und stellte die Zündung nochmals ein.
Tags darauf sollte der große Moment sein, ich drehte das erste Mal nach zehn Jahren Standzeit, den Benzinhahn auf und flutete den Vergaser mit dem Tupfer. Es folgten einige vorsichtige Tritte auf den Kickstarter und dann schaltete ich die Zündung ein...
Die Kontrolllampen flammten auf. Dann ein Tritt und die kleine RT hustete ihre ersten blauen Lebenszeichen in die Luft.
Es folgte eine kleine Probefahrt in unserer Strasse, die ich überglücklich beendete.
Am darauf folgenden Tag beseitigte ich mit einem kleinen Pinsel alle Spuren der Montage.( man rutscht doch schnell mal mit dem Schlüssel ab) Nun wurde poliert und geflimmert. Zur Zulassung fehlte noch das OK aus Flensburg, das ich sehnsüchtig erwartete. Mit einem "ausgezeichnet" erteilte der DEKRA-Prüfer sein Einverständnis zur Zulassung meines Oldies. Das polizeiliche Kennzeichen fiel zwar etwas groß aus, aber ich kann endlich mit meinem eigenen Oldtimer fahren !
Pünktlich am 1.Mai erschien ich mit der selbst restaurierten MZ RT 125/3 auf dem Oldtimertreffen . Sofort war die RT dicht umringt und Fotoapparate klickten. Selbstverständlich waren auch die Erbsenzähler da, die meine Edelstahlschrauben und die falschen Linien entdeckten, was sie mir auch prompt mitteilen mußten.
Später erschien ein älterer Herr bei mir, der mir ein Angebot machte, er wollte meine RT für ein Museum kaufen.
Raten sie mal, was meine Antwort war...
Ich habe inzwischen fast 3500 Kilometer mit meiner kleinen MZ abgespult und kann sagen: Es macht einen Riesenspaß damit zu fahren !
Im Jahr 2008 erhielt meine RT sogar einen Preis als schönster Oldtimer,
dieser Pokal steht jetzt in einer Vitrine in meiner Werkstatt.
Dort wartet bereits die nächste Maschine auf ihre Auferstehung, aber das ist schon wieder eine andere Geschichte...

Schluß

Im nächsten Monat werde ich eine neue Geschichte eröffnen...nämlich die Restauration des SR 2 meiner Frau.




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RT 125 - Modelle in der Übersicht


IFA/DKW RT 125, gebaut von 1950 - 1954, Stückzahl 30.199

IFA RT 125/1, gebaut von 1954 - 1956, Stückzahl 33.148

MZ RT 125/2, gebaut von 1956 - 1959, Stückzahl 55.424

MZ RT 125/3, gebaut von 1959 - 1962, Stückzahl 143.035

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Bis 1964 wurde noch eine MZ RT 125/4 gebaut, die aus Restteilen zusammengebaut wurde.
Sie erhielt schon den neuen Motor der ES 125, die somit die RT 125 entgültig ablöste.
Erst im Jahr 2000 sollte wieder eine MZ RT 125 vom Band laufen, diesmal jedoch als Viertakter !

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IFA/DKW RT 125/0                       1950 - 1954                   750001 - 780200

Ersatzteilrahmen                                                              18000001 - 1810000

IFA RT 125/1                               1954 - 1956                    1000001 - 1031600
                                                                                     11018501 - 11021450

Ersatzteilrahmen                                                              siehe IFA/DKW RT 125/0

MZ RT 125/2                                1956 - 1958                    5000001 - 5055424
                                                  1958 - 1959                     mit Vollnabenbremse

Ersatzteilrahmen                                                               1810001 - 1850000

MZ RT 125/3                                  1959 - 1962                  7500001-7643035

Ersatzteilrahmen                                                              7650001-7700001


Quelle:
Hinweise zur Identifizierung und zum Umbau von MZ - Motorrädern (MZ-Umbaurichtlinien) des VEB Motorradwerk Zschopau/Sachsen vom April 1982

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Eine Liste mit mehreren Fahrgestellnummern ist hier als Download zu finden.
Damit kann man etwa das Baujahr und den Monat der Herstellung bestimmen.
Sollten auch Sie eine RT 125 im Besitz haben, dann würde ich mich sehr über ihre Fahrgestelldaten
freuen. Ich würde sie mit in die Liste eintragen und somit helfen Sie mit, die Datensammlung weiter
auszubauen. Selbstverständlich tauchen Ihre Daten anonym in der Liste auf, teilen Sie mir dazu einen Web-Namen mit.
Dafür möchte ich mich schon im Voraus bedanken.

die Liste mit 262 RT - Fahrgestelldaten finden sie HIER --->

RT-Liste-Version 02.02.12.doc
 

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Sollten Sie mit der Reparatur Ihrer RT - Telegabel Probleme haben,
ich bin Ihnen gern bei der Reparatur behilflich ---> einfach Mail an mich !





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http://www.pinnwand4u.de/linde/pinnwand.php


Einfach anklicken und euere eigenen RT - Bilder an die Pinnwand heften.

 
     
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